Erprobung des Programms

Pflegeeinrichtungen Mental ermunternde Organisationen

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Kurz und knapp – worum geht es?

Selbstständig Entscheidungen treffen, soziale Kontakte pflegen oder alltägliche Handlungen und Aufgaben bewältigen – das und vieles mehr sorgt dafür geistig und sozial aktiv zu bleiben. Mit dem Einzug in eine Pflegeeinrichtung bleiben diese alltäglichen Aktivitäten häufig sehr schnell aus. Das hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Das PfleMeO-Programm bietet einen Ansatz, wie Pflegeeinrichtungen diese Auswirkungen minimieren können.

Das PfleMeO-Programm wurde auf Basis wissenschaftlicher Literatur, Erfahrungen mit ähnlichen Programmen sowie Feedback von Pflege- und Betreuungskräften entwickelt. Aktuell wird das Programm in 15 Pflegeeinrichtungen bis Mitte 2024 erprobt. Die Pflegeeinrichtungen werden von eigens qualifizierten Berater*innen begleitet.

 

Engagement im Rahmen der nationalen Präventionsstrategie

Das PfleMeO-Programm basiert auf dem Ansatz der lebensweltbezogenen Gesundheitsförderung. Es ist als Leistung gemäß § 5 SGB XI in den Handlungsfeldern kognitive Ressourcen und psychosoziale Gesundheit konzipiert. Die Berater*innen werden vom Verband der Privaten Krankenversicherung im Rahmen seines Engagements in der nationalen Präventionsstrategie finanziert.

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Grundidee und Kontext des
PfleMeO-Programms

Die Grundidee des PfleMeO-Programms ist, durch eine Stärkung der Personzentrierung für jeden/jede Bewohner*in Aktivitäten zu identifizieren und zu fördern, die an Gewohnheiten, Vorlieben oder speziellen Wünschen anschließen und deshalb von individueller Bedeutung für sie sind. Das Erleben solcher Impulse und Aktivitäten unterstützt, dass Bewohner*innen, trotz gesundheitlicher Einschränkungen, möglichst geistig und sozial aktiv sind und sich wohlfühlen. Dabei werden sowohl körperlich als auch kognitiv eingeschränkte Menschen in den Blick genommen.

Das PfleMeO-Konzept knüpft an Bestrebungen an, die mit dem (neuen) Pflegebedürftigkeitsbegriff und Begutachtungsinstrument bereits eingeleitet wurden: den Wechsel von der Verrichtungsorientierung zum Ansatz der Personzentrierung. Eine „Botschaft“, die auch in weiteren Neuerungen für die stationäre Pflege ihren Niederschlag gefunden hat (Qualitätsindikatoren, externe Qualitätsprüfung, Personalbemessung) und zu veränderten Konzepten und Abläufen führen soll. Durch Umsetzung des PfleMeO-Programms können Pflegeeinrichtungen an bereits begonnenen Vorhaben anknüpfen und erhalten dabei externe Unterstützung.

Eine solche Weiterentwicklung wird von vielen als Rückbesinnung auf das eigentliche Selbstverständnis von Pflege empfunden. Darüber kann ein Beitrag zur Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter*innen geleistet werden.

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Was ist eine mental ermunternde Pflegeeinrichtung?

Das PfleMeO-Programm unterstützt Pflegeeinrichtungen dabei, ihr Ziel als „mental ermunternde Organisation“ zu gestalten und ihren eigenen Weg dorthin zu finden. Ein veränderter Blickwinkel im Pflege- und Betreuungsprozess wird reflektiert sowie die Bedeutung des Beziehungsaufbaus mit pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen gestärkt.

Die Pflegeeinrichtung fördert durch das PfleMeO-Programm die Fachlichkeit und Kommunikationskompetenz ihrer Mitarbeiter*innen. Die Beteiligung aller Bereiche (Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft etc.) im Rahmen eines Organisationsentwicklungsprozesses trägt zu mehr Arbeitszufriedenheit bei.

Das PfleMeO-Programm stellt vier Merkmale in den Fokus:

  • „Erkunden“: Die Abläufe (tagsüber, abends und nachts) sowie die Umgebung erlauben es, für jeden/jede Bewohner*in in Erfahrung zu bringen, was für ihn/sie im Alltag besonders wichtig ist. Die Aspekte Sicherheit, Kontinuität, Zugehörigkeit, Sinnvolles Tun, Erfolg und Wertschätzung dienen dabei als Leitmotiv.
  • „Individuell bedeutsame Aktivitäten“: Die Abläufe und Umgebung erlauben es, dass jeder/jede Bewohner*in im Alltag möglichst das tun kann, was für ihn/sie bedeutsam ist.
  • Einbeziehung von Angehörigen: Die Abläufe und Umgebung sind bewusst darauf ausgerichtet, Angehörige in den Alltag von Bewohner*innen und die Abläufe der Pflegeeinrichtung einzubeziehen.
  • Bereichsübergreifende Zusammenarbeit: Die Abläufe und Umgebung sind bewusst darauf ausgerichtet, dass die Mitarbeiter*innen aus der Pflege, der Betreuung, der Hauswirtschaft und ggf. weiteren Bereichen regelhaft zusammenarbeiten.

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Wie läuft das
PfleMeO-Programm ab?

Das PfleMeO-Programm beginnt mit drei Phasen, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten ablaufen und dazu dienen einen Organisationsentwicklungsprozess anzustoßen. Während dieser Zeit werden teilnehmende Pflegeeinrichtungen von einem/einer externen, eigens qualifizierten und vom PKV-Verband finanzierten Berater*in begleitet. Im Anschluss führen sie den Organisationsentwicklungsprozess eigenständig weiter.

Phase 1 – Einstieg

Dem Einstieg in das PfleMeO-Programm geht eine Entscheidung des Leitungsteams voraus, ob sie das Angebot zu einem Organisationsentwicklungsprozess einschließlich der Unterstützung durch einen/eine externe Berater*in in Anspruch nehmen möchten.

Ist die Entscheidung für das PfleMeO-Programms gefallen, übernimmt in der Regel die Pflegedienstleitung die Steuerung der Umsetzung als PfleMeO-Beauftragte. Dabei arbeitet sie eng mit ein oder zwei Kolleg*innen zusammen, idealerweise sowohl aus der Pflege als auch aus der Betreuung und ggf. der Hauswirtschaft.

Der nächste Schritt ist die Entwicklung eines Zukunftsbilds als „mental ermunternde Organisation“. Dazu kommt das Leitungsteam einschließlich der PfleMeO-Beauftragten und ihrem Team in zwei Workshops zusammen, die von dem/der externen Berater*in moderiert werden.

Zwischen den Workshops findet eine Auftaktveranstaltung für die gesamte Pflegeeinrichtung statt. Weiterhin erkundet das Leitungsteam einschließlich der PfleMeO-Beauftragten und ihrem Team in Gesprächen mit Mitarbeiter*innen, Angehörigen und Bewohner*innen deren Sichtweisen zum Thema. Dabei wird die Technik „Gute Praxis“ eingesetzt, welche speziell für das PfleMeO-Programm entwickelt wurde.

Phase 2 – Sammlung von Erfahrungen

Zur Vorbereitung der weiteren Umsetzung nehmen die PfleMeO-Beauftragte und ihr Team (PfleMeO-Teams) an drei Trainings teil, die der/die externe Berater*in anbietet. Die Trainings finden jeweils gemeinsam mit den PfleMeO-Teams aus weiteren Pflegeeinrichtungen statt, sodass ein einrichtungsübergreifender Austausch stattfindet.

Das Kernstück des Programms ist die Sammlung von Erfahrungen in den Wohnbereichen. Hierzu werden drei für das PfleMeO-Programm entwickelte Techniken – „Fokuswoche“, „Erlebensfenster“ und „Arbeitssituationen“ – durchgeführt. Dadurch werden zwei Impulse gesetzt:

w Auf der individuellen Ebene reflektieren und ggf. ändern Mitarbeiter*innen, Bewohner*innen und Angehörige ihr Handeln.

w Auf der organisationalen Ebene entstehen Ideen, wie die Abläufe und die Umgebung weiterentwickelt werden können.

Die Durchführung der Techniken wird von der PfleMeO-Beauftragten vorbereitet. Für die Umsetzung sind die Wohnbereichsleitungen bzw. die Mitarbeiter*innen auf den Wohnbereichen zuständig. Sie erhalten hierzu eine Schulung, welche der/die externe Berater*in zusammen mit der PfleMeO-Beauftragten anbietet.

Phase 3 – Weiterentwicklung

Die aus der Anwendung der Techniken entstehenden Ideen greifen die PfleMeO-Beauftragte und ihr Team auf. Gemeinsam mit dem Leitungsteam wird überlegt, wie sie umgesetzt werden können, damit das Zukunftsbild einer „mental ermunternden Organisation“ Wirklichkeit werden kann.

Die Begleitung einer Pflegeeinrichtung durch den/die Berater*in schließt mit einem weiteren Workshop mit der PfleMeO-Beauftragten, ihrem Team und ggf. weiteren Mitgliedern des Leitungsteams. Neben der Reflexion des bereits Erreichten wird die eigenständige Weiterführung des PfleMeO-Programms geplant.  

Die Erprobung des PfleMeO-Konzepts wird vom IGES Institut in Zusammenarbeit mit der Hans-Weinberger-Akademie und dem Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft durchgeführt. Auftraggeber ist der Verband der Privaten Krankenversicherung.

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Was tun die Berater*innen?

Pflegeeinrichtungen, die das PfleMeO-Programm umsetzen, werden zwölf Monate lang von einem/einer Berater*in begleitet. Der/die Berater*in war selbst in der Alten- oder Krankenpflege tätig und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Organisationsberatung von stationären Pflegeeinrichtungen.

Der/die Berater*in bietet Folgendes an:

  • Drei Workshops mit dem Leitungsteam der Pflegeeinrichtung einschließlich der PfleMeO-Beauftragten und ihrem Team

  • Drei Trainings für die PfleMeO-Beauftragte und ihr Team (PfleMeO-Team)

  • Drei Schulungen für die Wohnbereichsleitungen bzw. die Mitarbeiter*innen auf den Wohnbereichen

  • E-Learning-Einheiten, auf die alle Mitarbeiter*innen zugreifen können

  • Beratung nach Bedarf, um Herausforderungen bei der Umsetzung des PfleMeO-Programms zu begegnen (insgesamt ca. 10 Tage)

  • Die Möglichkeit, bei Bedarf weitere Unterstützung (z. B. Trainings, Coaching, Supervision) in Anspruch zu nehmen

    Insgesamt steht der/die Berater*in ca. 20 Tage, verteilt über zwölf Monate, für die Begleitung einer Pflegeeinrichtung zur Verfügung. Der/die Berater*in wird vom Verband der Privaten Krankenversicherung bezahlt.

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Was gibt es (Neues) zu berichten?

Das PfleMeO-Programm wird seit Frühjahr 2023 in 15 Pflegeeinrichtungen (Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen) erprobt.

Informationen zu Projektfortschritten und Erfahrungen werden in verschiedenen Foren und Formaten veröffentlicht:

  1. Vorstellung des Projekts PfleMeO auf dem Symposium „Settingspezifische Intervention in der Gesundheitsförderung und Prävention“ (Mai 2023).
  2. Beitrag „Altenpflege-Online“: „Mental ermunternd pflegen: Das Individuum steht im Zentrum“ (Dezember 2022).

  3. LinkedIn Beitrag zum Projekttreffen mit dem PKV-Verband am 20.10.2023 in Berlin.
  4. Beitrag “Altenpflege”: “Wege zu mehr Wohlbefinden” (erschienen in Altenpflege 12/23, Vincentz Network, Hannover – http://www.altenpflege-online.net/)

Wenn Sie weitere Informationen benötigen oder grundsätzlich Interesse an dem PfleMeO-Programm haben, senden Sie uns gerne eine E-Mail an pflemeo@iges.de.